zu den Fotoserien "Temporäre Hinterlassenschaften I - III"

«Temporäre Hinterlassenschaften» verbildlicht den Beginn einer semiotischen Untersuchung. Die Fotografien dieser Serie sind nicht nur Zeichen für das Gesehene bzw. imaginierte Abwesende, also Referenzsysteme, sondern sie zeigen selbst Zeichen: einen pinken Pfahl, Beete die jemand ordentlich angelegt hat, Schläuche, die sich wie von selbst zu bewegen scheinen, aber doch platziert wurden, Wurzeln die sich wie Schriftzeichen aus der Erde bohren....

Zeichen verbinden Polaritäten, nämlich Anwesenheiten mit Abwesenheiten. Ein Zeichen steht stellvertretend für das Abwesende, für die Anwesenheit eines Abwesenden. Es zeugt vom Wirken von jemandem oder etwas. Wir hinterlassen in unserem Tun, ja selbst von unseren Unterlassungen eine Spur, wir setzen Zeichen und wir symbolisieren Zeichen. Durch das Lesen von Zeichen können wir die Anwesenheit des Anderen phantasieren.

Spuren, Zeichen, Symbole verbinden uns mit dem entfremdeten Anderen und sie strukturieren, charakterisieren und begrenzen den Raum. Erst durch Zeichen können wir den dreidimensionalen Raum als solchen ermessen bzw. eine Illusion des Raumes erfahren.

Werden Räume erst dadurch erträglich? Wie spezifisch und individuell sind die Zeichen, die wir hinterlassen und die wir wahrnehmen?

Susan Paufler